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Schutz der kreativen Leistungen von Unternehmen

Der Kauf von Plagiaten hat viele Auswirkungen

Produktfälschungen stellen wesentliche Bestandteile unserer gesellschaftlichen Identität infrage. Das gilt insbesondere für die Nachahmung von High-End-Produkten der kulturellen und kreativen Spitzenunternehmen, die an der Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft agieren. Die wirtschaftliche Verwertung ihrer Erzeugnisse ändert dabei nichts am hohen kulturellen Wert oder der künstlerischen Qualität ihrer Produkte. Deshalb ist der Schutz der kreativen Leistung und des Erfindergeistes nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht elementar. Er schützt auch gesellschaftlich bedeutende Güter.

Gleichzeitig sichert er die Werte, die unsere Gesellschaft ausmachen. Soziale Standards, die technologische Fortentwicklung und der Schutz des Eigentums sind wesentliche Eckfeiler unseres Zusammenlebens. Fälscher von Produkten scheren sich nicht um diese Werte. Sie gehören meist zur organisierten Kriminalität und sind auf die Profitmaximierung um jeden Preis ausgerichtet.

Soziale Absicherung, menschliche und sichere Arbeitsbedingungen oder eine faire Bezahlung sind nicht Teil dieses rücksichtslosen Geschäftsmodells. Wollen Sie das durch den Kauf der Imitate unterstützen?

Auch geistiges Eigentum ist Eigentum im Sinne des Grundgesetzes. Niemand würde den Diebstahl seines Autos als Kavaliersdelikt ansehen. Wie können wir bei einer herausragenden kreativen Leistung andere Maßstäbe anlegen? Wie kann es sein, dass 90 Prozent der Verbraucher gefälschte Produkte nicht für anrüchig halten? Haben Urheber kein Recht, an der wirtschaftlichen Nutzung ihres Eigentums angemessen beteiligt zu werden?

Auch der technologische Fortschritt unserer Gesellschaft hängt von der Wertschätzung der innovativen Leistung ab. Innovationskraft, Erfindergeist, Forschung und Entwicklung sind die am häufigsten genannten Eigenschaften, um in Krisen zu bestehen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Kommunikationsagentur fischer appelt unter 800 Unternehmen. Wenn sich die Investition in den Fortschritt aber nicht mehr lohnt, warum sollten Kreative weiter Originale schaffen?
Unsere Gesellschaft profitiert von der hohen Kreativität und den Innovationen einzelner. Eine lebendige Kultur- und Kreativlandschaft trägt zur Attraktivität eines Ortes, einer Region und eines Landes bei. Sie fördert nicht zuletzt die Fachkräftegewinnung und den wirtschaftlichen Nachwuchs. Sie inspiriert ebenso die Unternehmenskultur und das Innovationspotential der Wirtschaft. Das gilt für Produkte, Dienstleistungen, Kunst, Musik, Kultur, Kunsthandwerk und Ingenieursleistungen gleichermaßen. Wenn wir dieses Engagement nicht mehr ausreichend wertschätzen, verlieren wir die Grundlage, die Wohlstand, Sicherheit und Wachstum in unserer Gesellschaft ermöglicht.

Geistiges Eigentum ist einer der Motoren des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Die sogenannten schutzrechtsintensiven Branchen treiben diesen Motor an. Das sind Wirtschaftszweige, deren Erfolg auf ihrer kreativen Leistung und der Innovationskraft der Unternehmen basiert. Sie brauchen deshalb einen wirkungsvollen Schutz für Marken, Patente und Urheberrechte.

Wussten Sie, dass 39 Prozent der Wirtschaftsleistung in der EU und damit jeder vierte Arbeitsplatz direkt den sogenannten schutzrechtsintensiven Branchen zuzurechnen ist? Zehn Prozent aller weiteren Arbeitsplätze hängen wiederum von der wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Sektor ab.

Auch das High-End-Segment ist ein schutzrechtsintensiver Wirtschaftszweig. In dem Segment werden die Unternehmen zusammengefasst, die in ihrer jeweiligen Branche für herausragende Kreativität und Qualität stehen. Das macht sie oft zum Ziel von skrupellosen Werte- und Markenpiraten. Ohne Plagiate hätten die Firmen des Spitzensegments europaweit rund 80 Milliarden Euro mehr Umsatz, es gäbe 180.000 zusätzliche Arbeitsplätze und die Staaten könnten 20 Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen verbuchen. Das hat Frontier Economics in einer Studie analysiert.

Ein Anstieg der Fälschungen um nur fünf Prozent hätte allein in diesem Spitzensegment gravierende Folgen: Noch einmal 98.000 Jobs weniger, 43 Milliarden Euro Schaden bei den Unternehmen, 14 Milliarden Euro Steuereinnahmen weniger. Oder anders gesagt: Produktfälschungen erhöhen die Steuerlast für jeden von uns.

Gleichzeitig verteuern die Fälschungen die Preise für die Originale. Um die Verbraucher zu schützen und Arbeitsplätze zu sichern, sind die Unternehmen gezwungen, in die Abwehr der illegalen Fälschungen investieren. Sie müssen den Verlust durch die Plagiate auch bei der Refinanzierung ihrer Forschungs- und Entwicklungskosten berücksichtigen. Jedes verkaufte Plagiat kostet uns allen so eine Menge Geld.

Tatsache ist, dass inzwischen nicht nur die schutzrechtsintensiven Branchen unter den Fälschern leiden. Die mangelnde Wertschätzung von Originalen betrifft alle Unternehmen. Der weltweite Handel mit gefälschten Waren beläuft sich inzwischen auf mehr als 500 Milliarden Euro pro Jahr.

Kulturelle Vielfalt, die Ideenreichtum und Kreativität erzeugt, ist einer der Schlüssel für unseren wirtschaftlichen Erfolg sowie unsere gesellschaftliche und soziale Entwicklung.

Es zeichnet die westlichen Industrienationen aus, dass das Abkupfern von Ideen deshalb üblicherweise als Mangel an eigener Kreativität abgestraft wird. Geistiges Eigentum ist hier ein Wert, der sogar durch Gesetze gegen Fälscher verteidigt werden kann.

Die zunehmende Verfügbarkeit von minderwertigen Kopien führt allerdings dazu, dass diese für unseren Kulturkreis sinnstiftenden Werte ausgehöhlt werden. Inzwischen sehen neun von zehn Konsumenten durch den Kauf von Plagiaten ihr Ansehen bei Freunden und Verwandten nicht mehr gefährdet. Konsumenten sind hierzulande offenbar zunehmend bereit, kulturelle Errungenschaften aufzugeben. Wollen wir das wirklich?

Das Risiko ist hoch, durch diese Arglosigkeit kunsthandwerkliche Fähigkeiten oder das besondere Geschick bei der Entwicklung und Konstruktion zu verlieren. Wenn die kreative Leistung unserer Designer, Künstler oder Ingenieure uns selbst schon nichts mehr wert ist – wie können wir dann erwarten, dass andere unsere Qualitäten weiterhin wertschätzen?

Ganz persönlich.

Produktfälschungen sind keine preisgünstige Alternative zum Original. Sie sind vielmehr dazu gemacht, den Verbraucher zu täuschen. Das gilt selbst dann, wenn die Konsumenten wissen, dass sie eine Nachahmung kaufen.

Schließlich haben die Werte- und Markenpiraten selbst keinen Ruf zu verlieren. Sie fälschen, um vom guten Leumund des nachgemachten Produkts zu profitieren. Dabei ist die Haltbarkeit des Produkts, die Einhaltung von Sicherheitsstandards oder im schlimmsten Fall sogar das Leben des Verbrauchers für sie bedeutungslos.

Möchten Sie mit gefälschten Textilien, Uhren oder Taschen in Kontakt kommen, die mit billigen, aber extrem giftigen Chemikalien eingefärbt oder mit minderwertigen Materialien hergestellt wurden? Möchten Sie in einem Auto mit gefälschten Bremsbelägen fahren, die sich beim Tritt aufs Pedal auflösen? Oder wollen sie mit Haushaltsgeräten arbeiten, die keine Sicherheitstests durchlaufen haben und aufgrund ihrer mangelhaften Verarbeitung eine tickende Zeitbombe sind? Möchten Sie Medikamente nehmen, die bestenfalls gar nicht wirken?

Selbst harmlos wirkende Nachahmungen können ein unkalkulierbares Risiko für Leib und Leben darstellen. Nur wer verantwortungsbewusst einkauft, kann sich selbst vor diesen Folgen schützen.

Kampagne: Wert des Originals

Kampagnen-Motive

Mit der Kampagne „Wert des Originals“ informiert der MEISTERKREIS anhand von Plagiatskäufen über die ökonomischen, kulturellen und gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen einer nicht ausreichenden Würdigung der kreativen Leistung von Unternehmen.

Die Kampagne selbst verfolgt dabei einen besonders kreativen Ansatz: Zusammen mit der Agentur thjnk hat der MEISTERKREIS eine neue Marke erdacht, die ausschließlich Fälschungen anbietet: PLAGIATE. Die Marke erhält mit www.plagiate-shop.de sogar einen funktionsfähigen Internetshop, der über Online-Banner gezielt beworben wird. Hier können Interessierte im Angebot aus gefälschten Produkten stöbern. Wenn Sie sich tatsächlich zum Kauf entschließen, erhalten Sie aber nicht die gewählte Kopie, sondern bekommen ein Informationsangebot rund um den Themenkomplex Kreativität und geistiges Eigentum. In Anzeigen und Plakaten werden aufmerksamkeitsstark zudem Nachteile von gefälschten Produkten dargestellt: „Sichert Kindern Arbeitsplätze“, „Zertifiziertes Qualitätsverbrechen“ oder auch „Zeit zu Blenden“. Die Kampagne verfügt über ein Bruttomediavolumen von mehr als 500.000 Euro.

Ziel ist es, eine breite gesellschaftliche Debatte über den Schutz des geistigen Eigentums und die Wertschätzung der kreativen Leistung anzustoßen. Der Hintergrund dafür ist ein zunehmend widersprüchliches Verhalten der Konsumenten, die schöpferische und kreative Leistungen zu schätzen wissen, trotzdem aber Plagiate dulden oder sie sogar gezielt nachfragen. In Deutschland halten die meisten Konsumenten Produktfälschungen für ein Kavaliersdelikt. 65 Prozent der Verbraucher haben schon einmal Plagiate gekauft, fast ein Drittel sogar ganz bewusst, so eine Studie von Ernst & Young.

Dieses Verhalten trifft die Unternehmen der sogenannten schutzrechtsintensiven Industrien besonders hart – wie beispielsweise die kreativen Spitzenunternehmen, die Mitglied im MEISTERKREIS sind. Sie kommen aus vielen unterschiedlichen Branchen wie der Automobil-, Mode-, Uhren- oder Schmuckindustrie. Auch Yachtbauer, Möbeldesigner, Küchenhersteller und Winzer gehören dazu. Allen gemein ist aber, dass die kreative Leistung und die Innovationskraft ein elementarer Bestandteil ihres Geschäftserfolgs ist. „Der Schutz von kreativem Schaffen ist gerade für die deutsche Wirtschaft in einem rohstoffarmen Umfeld von herausragender Bedeutung“, betonte Brigitte Zypries, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, bei der Pressekonferenz zum Kampagnenstart „Wert des Originals“.